Was bestimmt den Wert einer Reitanlage
Es gibt nicht den Wert einer Reitanlage. Es gibt drei Verfahren, und sie führen
zu drei verschiedenen Zahlen. Welche davon am Markt trägt, entscheidet sich daran, wer als Käufer
in Frage kommt.
Die drei Verfahren
Sachwertverfahren
Es rechnet zusammen, was Grundstück und Gebäude heute kosten würden, abzüglich Alterswertminderung.
Bei privat genutzten Höfen ohne nennenswerten Betrieb ist das meist der maßgebliche Ansatz. Es
belohnt Bausubstanz und bestraft Sanierungsstau.
Ertragswertverfahren
Es fragt, was die Anlage erwirtschaftet: Einstellerlöse, Unterricht, Beritt, Turniere, Verpachtung.
Bei einem gut belegten Pensionsbetrieb liegt dieser Wert regelmäßig über dem Sachwert. Entscheidend
sind nicht die Preise auf der Preisliste, sondern die tatsächliche Belegung über mehrere Jahre.
Vergleichswertverfahren
Es sucht vergleichbare Verkäufe. Bei Reitanlagen scheitert es meist an der Datenlage — es gibt zu
wenige Verkäufe, und die veröffentlichten Kaufpreissammlungen führen Spezialimmobilien selten
brauchbar. Als Plausibilitätsprüfung ist es dennoch nützlich.
Sechs Faktoren, die den Ausschlag geben
Substanz der Gebäude
Hallenkonstruktion, Dachhaut, Boxenqualität, Elektrik, Wasserführung. Eine Halle mit sanierungsbedürftigem Dach kostet schnell einen sechsstelligen Betrag.
Böden und Reitplätze
Tretschicht, Tragschicht, Drainage, Bewässerung. Ein Boden, der bei Regen steht, mindert den Wert spürbar — und lässt sich nicht kaschieren.
Fläche und Zuschnitt
Eigenland gegenüber Pachtland, Weidenanbindung ohne Straßenquerung, Erweiterungsmöglichkeit. Pachtflächen gehen mit dem Pachtvertrag, nicht mit dem Grundstück.
Rechtslage
Baugenehmigungen, Nutzungsänderungen, Privilegierung nach § 35 BauGB, Altlasten, Wegerechte, Wasserrechte. Der häufigste Grund für geplatzte Verkäufe.
Ertragskraft
Belegung, Einstellpreise, Vertragslaufzeiten, Nebenerlöse aus Unterricht, Turnieren oder Beritt. Bei Betrieben trägt das den Wert stärker als die Bausubstanz.
Wohnteil
Größe, Zustand und Eigenständigkeit des Wohnhauses. Viele Käufer finanzieren über den Wohnwert, nicht über den Betrieb.
Der häufigste Fehler
Der häufigste Fehler ist nicht ein zu niedriger Ansatz, sondern ein zu hoher. Eine Anlage, die
zwei Jahre im Markt steht, gilt als schwer verkäuflich — und wird am Ende unter dem Wert verkauft,
den sie am Anfang gehabt hätte. Der zweithäufigste Fehler ist eine ungeklärte Genehmigungslage.
Beides lässt sich vorher verhindern.
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